Die Chronik vom SV Spreitenbach

Spreitenbach 1940

Eine kurze Geschichte über den Schiessverein Spreitenbach

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Am Pfingstmontag 1862 fanden sich die Dienstpflichtigen Männer und übrige Waffenbesitzer von Spreitenbach im örtlichen Schulhaus ein und gründeten den Feldschützengesellschaft Spreitenbach. In einer Zeit, wo Meister Schmalhals Land auf und ab die Leute in Not brachte, weil Missernten die Scheunen und Keller nicht mehr zu füllen vermochten.
Trotzdem dass die Bevölkerung den Gürtel sehr eng schnallen musste, Weihte die Feldschützengesellschaft Spreitenbach bereits 3 Jahre nach ihrer Gründung ihre erste Vereinsfahne ein. Da kann man wirklich nur staunen.

Ausgerüstet waren die Schützen damals mit dem Ordonnanz, Vorderlader, Jägergewehr 1856 bis 1869. Dass erste Vetterli Repetiergewehr wo an die Wehrpflichtigen dazumal abgegeben wurde. Nach mehrmaliger Modifizierung wurde die Waffe durch das erste Langgewehr im Jahre 1889 ersetzt.

Der Schiess- und Scheibenstand, wenn man das so nennen durfte, befand sich im Wilental,
[Wiletal = (Tälchen zwischen Heitersberg und Sandbüel). Wile, lat: villa = Landsitz. Er ist ein Hinweis auf eine römische Siedlung, die auch nachgewiesen ist.] Ein kleiner Holzschopf diente dazumal als Schiessstand. Geschossen wurde jedoch bis 1924 Richtung Franzosenweiher. [Franzosenweiher, auch Chlosterweier genannt (im Wilental). Die Franzosen sollen bei ihrem Durchmarsch den Weiher entleert und die Fische geraubt haben. Steht jetzt teilweise unter Naturschutz.]
Ein Erdwall bot den Zeigern einen Schutz und die Scheiben wurden jeweils aufgestellt. Durch Flaggenzeichen und Hornrufe wurde die Zeigermannschaft zum Zeigen oder in Deckung zu gehen befohlen.

Das Wilental war damals ideal für unsere Schützen. Hier konnten sie jeweils am Sonntagnachmittag ihren Sport ausüben. Denn ausser den Landwirten, Schützen, Füchs oder Hasen verirrte sich kaum jemand ins Wilental.

Bereits 1866 nahmen unsere Schützen am Centralschiessen in Aarau teil. Immer wieder luden sie jeweils auch am Chilbisonntag die Schützenvereine von Neuenhof, Baden, Würenlos und Bergdietikon zum Wettschiessen ins Wilental ein. Wobei nebst dem Schiessen auch tüchtig dem Wein und dem Most zugesprochen wurde.

An der Generalversammlung vom 1. Juli 1888 stimmten 26 Mitglieder dem Antrag des Vorstandes zu, die Feldschützengesellschaft in Schiessverein Spreitenbach umzubenennen.

Am Chilbisonntag 1906 führte der Verein ein Gabenschiessen durch, dessen Erlös zweckgebunden für die Fahnenweihe im Folgejahr bestimmt war.

Am Sonntag den 26. Mai 1907 fand die Fahnenweihe statt, mit der Fahne, die den Schiessverein bis ins Jahr 2002 zu Festanlässen, oder bei der Verabschiedung eines Vereinskameraden zur ewigen Ruhe begleitet hat.

Mit Böllerschüssen um 5 Uhr Morgens wurde die Fahnenweihe eröffnet. Die Schützen aus Bergdietikon übernahmen die Patenschaft. Nach der Fahnenweihe in der Kirche zogen die Dorfvereine und Nachbarsektionen mit Ihren Fahnen, von der Harmoniemusik Dietikon begleitet, zum Schiessstand Wilental, wo das Fahnenweihschiessen stattfand. Die ganze Bevölkerung haben mit den Schützen tüchtig mitgefeiert und die Fähnriche seien erst in später Nacht, aber nicht mehr so schön in Reih und Glied wieder dem Dorf zu marschiert.

Am 18. Dezember 1923, an einer speziell einberufener Versammlung, konnte der Vorstand den Mitgliedern die detaillierten Pläne sowie einen Kostenvoranschlag für ein neues Schützenhaus mit einem gedeckten Scheibenstand mit 10 Zugscheiben ausgerüstet zur Genehmigung vorlegen. Einstimmig wird dem Bauvorhaben zugestimmt. Wie noch Heute waren schon damals die Einwohner und Ortsbürger den Schützen gutgesinnt. Die Einwohnergemeinde unterstützte den Schiessverein finanziell beim Landerwerb, die Ortsbürger lieferten das nötige Holz für den Schützenhausbau und finanzierten den Scheibenstandbau samt 10 Zugscheiben. Unsere Schützen führten aber den Grossteil der erforderlichen Bauarbeiten in vielen Fronarbeitsstunden aus. Das Schützenhaus wurde um 90 Grad gedreht, und die Schützen mussten nun auch das Hangaufwärts Schiessen üben. Aber die Schützen waren stolz auf ihre neue Schiessanlage, die für rund Fr. 13'000.-- erstellt werden konnte. Weil unsere Schützen auch damals schon eine gelungene Sache gerne feierten, veranstalteten sie am 13. Juli 1924 ein internes Standeröffnungs- und Zobigschiessen.

Mit der Durchführung des Bezirksverbandschiessen im Jahr 1937 feierte der Schiessverein zugleich sein 75 jähriges Vereinsjubiläum. 378 Schützen kamen zu diesem Schiessanlass, man fragt sich heute, wie sie damals eine solche Anzahl Schützen abfertigen konnten. Aber unsere Schützen zeigten schon immer Einsatzfreude und Flexibilität, wenn es galt, den auswärtigen Schützen einen reibungslosen Schiessbetrieb und einen angenehmen Aufenthalt in der Festwirtschaft zu bieten.

Aus den Protokollen der 40-iger und 50-iger Jahren kann man entnehmen, das durchschnittlich 20-25 Schützen jeweils die Jahresmeisterschaft bestritten. 6-8 Schiessanlässe zählten dafür. Während 3-4 Obligatorischen betreute der Schiessverein 80-120 Militärschützen, wie sie damals genannt wurden.

Trainingsschiessen wurden nur vor Schützenfesten durchgeführt.

Hauptsächlich wurde damals an Sonntagen geschossen. Jedoch musste der Schiessbetrieb während dem Gottesdienst eingestellt werden, den in jenen Jahren bildeten die Pfarrherren, Kirchenpflege und der Gemeinderat noch eine Allianz mit der es galt, auf gutem Fuss zu stehen. Denn Sie hatten das Sagen im Dorf. Diese Zwangspause hatte aber an Schützenfesten auch ihr Gutes, denn während diesen Stunden stieg der Bier, Wein und Wurstumsatz gewaltig an.

Infolge Datenkollisionen mit anderen Schützenfesten feierte der Schiessverein sein 100. Vereinsjubiläum erst 3 Jahre später, am 1. August 1965. Trotzdem war das Jubiläumsschiessen und der Festakt für den Schiessverein Spreitenbach ein toller Erfolg.

Die rege Bautätigkeit ab Mitte der 60er Jahre lies auch die Einwohnerzahl sprunghaft ansteigen und somit nahm auch die Anzahl Obligatorischschützen in ähnlichem Masse zu. Steht’s musste die Schiesszeit überzogen werden. Zum Ärger der Bevölkerung. Auch die Zeigermannschaft fing an, zu Streiken und konnte oft nur mit einer Kiste Freibier dazu bewegt werden, die Scheiben wieder hochzuziehen.

Auch die Bausubstanz des Schützenhauses verfiel zusehend. All diese Probleme zeigte der Vorstand dem Gemeinderat auf. Der damalige Gemeideammann Robert Locher traf Abklärungen mit dem zuständigen Schiessoffizier und mit den Nachbargemeinden. Über längere Zeit mussten wir uns gedulden, bis man wieder vom Bau einer neuen Schiessanlage etwas hörte. Man blieb aber nicht untätig während dieser Zeit, der Standort wurde bestimmt, nämlich auf dem Ortsbürgerland im Härdli. [Härdli = (unterhalb der Bahn, westlich der Furttalstrasse) Es ist die Verkleinerungsform von Hard. Während des letzten Krieges (Anbauschlacht) wurde dieses Gebiet gerodet und urbarisiert. Man hatte für die entsprechenden Äcker den Namen beibehalten.]
Die Gemeinden Oetwil und Geroldswil mit ihrem Feldschützenverein Oetwil-Geroldswil waren bereit, sich an der Schiessanlage Härdli zu beteiligen. So konnte der Bau der Schiessanlage Härdli schliesslich realisiert werden und eine der ersten Überregionaler Schiessanlage in der Schweiz entstand hier. Kanton Zürich mit seinem Schiessoffizier und der Kanton Aargau mit seinem Schiessoffizier. Man hat sich dann geeinigt, dass der Schiessoffizier vom Kanton Aargau zuständig ist, für die Sicherheit der Anlage. Am 10. August 1985 fand in einem würdigem Rahmen das Einweihungsfest statt.
Mit der Eröffnung der neuen Schiessanlage sind auch neue Vereine gegründet worden und der Schiesssport ist damit noch Attraktiver geworden. Neben den SV Spreitenbach und dem FSV Oetwil-Geroldswil haben auch der Pistolenschützenverein und der Kleinkaliber Verein eine Schiessmöglichkeit bekommen.

Die Anzahl der Obligatorischschützen der Verbandsgemeinden waren bestimmend für die finanzielle Beteiligung an der Schiessanlage.

Am 19. Oktober 1985 nahm der Schiessverein Spreitenbach mit einem lachendem und einem weinendem Auge bei einem Usschüssete Abschied vom alten Schiessstand im Wilental.

Inzwischen Schiessen wir auch schon wieder über 3 Jahrzehnte im Härdli unter einem Dach mit den Schützen von Oetwil/Geroldswil, den Pistolenschützen und den Kleinkalieberschützen. Die Annehmlichkeiten die, die Schiessanlage in jeder Beziehung bietet wären nicht mehr wegzudenken. Mit der Zeit ist dann auch die Schützengesellschaft Baden und die Schützengesellschaft Würenlos ins Härdli eingezogen.

An dieser Stelle möchte ich den Behörden der Verbandgemeinden ein herzliches Dankeschön aussprechen für das offene Ohr und die offene Hand, wenn wir Schützen mit einem Anliegen bei Ihnen anklopfen.

Im April 2002 konnte unser Verein das 140 jährige Jubiläum feiern. Für diesen Anlass erlaubte sich der Verein eine neue Fahne anzuschaffen. Im April führten wir unser sehr gut besuchtes Jubiläumsschiessen durch, und im Mai unsere Fahnenweihe. Mit Stolz kann ich sagen: Über diese Fahnenweihe in der Kirche und dem anschliessendem Fest wird heute noch in der Gemeinde gesprochen.

Im April 2009 führte der SV Spreitenbach zum ersten mal das "Spreitenbacher Limmatschiessen" durch. Das Limmatschiessen wurde vom FSV Oetwil-Geroldswil übernommen, da er wegen Mitgliedermangel seinen Schiessbetrieb 2008 aufgeben musst.
Das Spreitenbach Limmatschiessen wurde sehr schnell zu einem der grössten Schiessanlässe im Kanton Aargau.

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Autor: Albin Keller
Zu seiner Erinnerung und zu seiner Ehren.
Präsident und Ehrenpräsiden des SV Spreitenbach von 1996 bis 2009
Verstorben: 09. Oktober 2010
RIP

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